Februar 14

Warum Milliardäre das bedingungslose Grundeinkommen lieben

Das bedingungslose Grundeinkommen klingt wie die perfekte Antwort auf eine unsichere Zukunft. Jeder bekommt Geld vom Staat, unabhängig von Job, Einkommen oder Vermögen. Kein Antrag, keine Bedürftigkeitsprüfung, kein Amtsschalter. Sicherheit für alle.

In Deutschland wurde die Idee zuletzt wieder heiß diskutiert, etwa im Rahmen des „Pilotprojekts Grundeinkommen“. Knapp 1.700 Personen nahmen teil, 122 erhielten von Juni 2021 bis Mai 2024 monatlich 1.200 Euro steuerfrei. Millionen Menschen hatten sich seit 2014 für solche Projekte beworben. Das Interesse ist enorm.

Doch spannend ist weniger, warum so viele Bürger das attraktiv finden. Spannender ist, warum immer mehr Superreiche Gefallen an dieser Idee entdecken.

Was ein Grundeinkommen eigentlich ist

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein sozialpolitisches Konzept, nach dem jeder Bürger eine feste staatliche Zahlung erhält, ohne Gegenleistung. Es soll unabhängig von Erwerbsarbeit existenzsichernd sein und klassische Sozialtransfers zumindest teilweise ersetzen.

Für Befürworter ist es ein Schutzschirm in einer Welt, in der Automatisierung und künstliche Intelligenz Jobs verdrängen könnten. Für Kritiker ist es ein gigantisches Umverteilungsprojekt mit unklarer Finanzierung.

Und genau hier wird es politisch explosiv.

Tech Milliardäre und die KI Zukunft

Prominentester Unterstützer aus dem Silicon Valley ist Elon Musk. Er und andere Tech Unternehmer argumentieren, dass künstliche Intelligenz eines Tages so produktiv sein könnte, dass sie genug Wohlstand erzeugt, um allen Menschen ein Grundeinkommen zu ermöglichen. Maschinen arbeiten, Algorithmen verdienen Geld, der Staat verteilt es.

Die Logik dahinter ist klar: Wenn KI Millionen Jobs ersetzt, drohen soziale Spannungen. Ein garantiertes Einkommen soll Kaufkraft sichern und gesellschaftliche Stabilität bewahren.

Oder anders gesagt: Wenn Roboter arbeiten, müssen Menschen trotzdem konsumieren.

Hamburg als Testfeld und amerikanisches Geld

Auch in Deutschland wurde diese Debatte politisch. In Hamburg scheiterte am 12. Oktober 2025 der Volksentscheid „Hamburg testet Grundeinkommen“. Abgelehnt. Doch im Hintergrund floss Geld aus den USA.

Die Eutopia Foundation unterstützte die Initiative mit insgesamt 200.000 Euro. Hinter der Stiftung stehen der deutsch amerikanische Unternehmer Albert Wenger und seine Frau Gigi Danziger. Wenger investierte unter anderem in Twitter, Coinbase und Duolingo.

Beim OMR Podcast sagte Wenger sinngemäß, jeder Mensch brauche ein finanzielles Fundament, unter das er nicht fallen könne egal was er tue. Automatisierung und KI würden die Arbeitswelt so stark verändern, dass ein Grundeinkommen nötig werde.

Eine ehrliche Sorge. Aber auch eine, die Fragen aufwirft.

Cui bono Wer profitiert wirklich

Hier beginnt meine Skepsis.

Ein Grundeinkommen muss finanziert werden. Und zwar nicht aus dem Nichts, sondern aus Steuern.

Große Vermögen sind international mobil und lassen sich deutlich leichter optimieren als Arbeitseinkommen. Arbeitnehmer zahlen automatisch. Kapital sucht Schlupflöcher.

Wenn also ein gigantisches Umverteilungsprogramm aufgelegt wird, stellt sich die provokante Frage:
Zahlen am Ende wirklich die Milliardäre oder vor allem die breite arbeitende Mitte?

Hinzu kommt ein zweiter Punkt, über den erstaunlich selten gesprochen wird. Ein Grundeinkommen stabilisiert Kaufkraft. Wer Geld bekommt gibt es aus. Für Miete, Streamingdienste, Lieferdienste, Onlinehandel. Gut für den Konsum. Gut für Plattformkonzerne wie Amazon und Co. Gut für jene, die an digitalen Geschäftsmodellen Milliarden verdienen.

Aus dieser Perspektive wirkt das Grundeinkommen weniger wie ein sozialromantisches Projekt und mehr wie ein Konjunkturprogramm.

Idealismus oder knallharte Ökonomie

Natürlich kann man das auch anders sehen. Viele Befürworter argumentieren ehrlich aus sozialpolitischer Überzeugung. Sie fürchten Massenarbeitslosigkeit durch KI, wachsende Unsicherheit und gesellschaftliche Spaltung.

Doch es wäre naiv zu glauben, dass milliardenschwere Investoren keine ökonomischen Interessen verfolgen, wenn sie politische Großprojekte unterstützen. Niemand steckt Geld in Kampagnen, ohne zumindest eine Vorstellung davon zu haben, wie sich das langfristig auf Märkte, Konsum und Stabilität auswirkt.

Das Grundeinkommen ist deshalb nicht nur eine moralische Frage.
Es ist eine Macht und Finanzierungsfrage.

Fazit

Dass immer mehr Milliardäre über ein bedingungsloses Grundeinkommen sprechen, ist kein Zufall. KI bedroht Jobs, Konsum soll stabil bleiben, gesellschaftliche Spannungen müssen gedämpft werden. All das passt ins Bild.

Die offene Frage lautet jedoch:
Wer finanziert dieses System wirklich und wer profitiert am stärksten davon?

Wie siehst du die Sache? Schreib es in die Kommentare! 


Ähnliche Beiträge

TACO-Prinzip und Iran-Krieg

TACO-Prinzip und Iran-Krieg
  • Ich persönlich glaube nicht, dass das BGE in der Breite funktionieren kann. Ich erarbeite mir mein BGE quasi selber (FI).

    Würde ich ein BGE erhalten, dass meine Existenz bereits sichert, hätte ich wahrscheinlich nur noch einen zusätzlichen Minijob gemacht.

    Für die Gesellschaft sehe ich folgende Fragen als kritisch:

    1. Wie wird die Höhe festgelegt? Ist der Satz regional unterschiedlich hoch? Oder muss der Frankfurt in einem 12m²-WG-Zimmer leben, um klarzukommen und der Görlitzer kann sich 3ZKB leisten?

    2. Wer ist anspruchsberechtigt? Aufgrund der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU müsste auch die gesamte EU ein BGE einführen. Da stellt sich wieder die Frage der Höhe – 1.200€ sind in Sofia mehr wert als in Amsterdam…

    Ich habe die Einschätzung, dass die Arbeitsmotivation der Bevölkerung (egal, ob auf D oder die gesamte EU bezogen) sinken würde. Es gibt diverse Statistiken, die nahelegen, dass nur 15-30% der Arbeitnehmer eine hohe intrinsische Motivation für ihren Beruf mitbringen. 15-20% der Arbeitnehmer haben innerlich gekündigt und haben überhaupt keine Lust mehr auf Arbeit. Die finanzielle Motivation einer Erwerbstätigkeit ist aktuell noch hoch – wenn man auch ohne „Maloche“ über die Runden kommt, wird meiner Einschätzung nach (von vielen) nur noch das nötigste on top gemacht, um sich mal etwas außer der Reihe zu erlauben.

    Positiv am BGE sehe ich, dass die Menschen in Tests weniger Stress mit Behörden hatten, im Schnitt gesünder waren und sich getraut haben, neue Berufe auszuprobieren, weil sie ein finanzielles Sicherheitsnetz hatten. Ich vermute aber, dass ein Ausrollen auf die gesamte Bevölkerung Verwerfungen mit sich bringen wird.

    Aber Verwerfungen gäbe es so oder so, wenn KI wirklich mal 50% der Arbeitsplätze wegrationalisieren würde.

  • Man sollte auch bedenken, dass dann die Abhängigkeit vom Staat wächst. Sollte der Leistungsempfänger nicht linientreu den Vorstellungen des Staates entsprechen, könnten Sanktionen über eine Kürzung des Bürgergeldes sehr effektiv sein.

  • Irgendwie würde ich ein bedingungsloses Grundeinkommen ja cool finden.

    Dann könnte ich früher in Pension (aka Rente, bin aus Österreich) gehen. Und könnte bis dahin vielleicht mal den ein oder anderen Monat unbezahlt freinehmen. Und zusätzlich könnte ich das BGE (auf das ich aktuell mit meinem Job nicht angewiesen bin) zusätzlich investieren. In 10 Jahren wären das zb 120 k Euro mehr Kapital das ich anlegen könnte! Geil!

    Andererseits frage ich mich wie man das alles finanzieren soll. Ich hab bisher noch nie von einer vernünftigen Lösung gehört oder gelesen.

    Ob es sozial fair ist könnte man auch diskutieren. Wir (sind zu zweit) kriegen in 10 Jahren so eine Viertelmillion zusätzlich in die Hand gedrückt. Könnten wir für einen Porsche verbraten. Oder in social media Fotos von uns auf Bora Bora posten.

    Und was ich mich auch frage: der Covid Geldregen hat teils auch zu hoher Inflation geführt. Um also zu sichern, dass das BGE existenzsichernd ist müsste man das jedes Jahr entsprechend erhöhen. Hat das nicht eine Spirale zur Folge?

    LG Ela

  • Zu den Finanzierungsmöglichkeiten eines BGE gibt es ja inzwischen viele realistische Modelle die vorgestellt wurden. Selbst Richard David Precht hat einen Vorschlag eingebracht in seinem Buch „Freiheit für Alle“.

    Ich hätte durchaus mal Lust etwas völlig anderes zu probieren. Die bisherigen Versuche gegen Armut anzugehen waren ja wenig erfolgreich. Wir versuchen es aber auch immer wieder mit denselben Mitteln. Warum nicht etwas neues wagen?

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
    >