Das bedingungslose Grundeinkommen klingt wie die perfekte Antwort auf eine unsichere Zukunft. Jeder bekommt Geld vom Staat, unabhängig von Job, Einkommen oder Vermögen. Kein Antrag, keine Bedürftigkeitsprüfung, kein Amtsschalter. Sicherheit für alle.
In Deutschland wurde die Idee zuletzt wieder heiß diskutiert, etwa im Rahmen des „Pilotprojekts Grundeinkommen“. Knapp 1.700 Personen nahmen teil, 122 erhielten von Juni 2021 bis Mai 2024 monatlich 1.200 Euro steuerfrei. Millionen Menschen hatten sich seit 2014 für solche Projekte beworben. Das Interesse ist enorm.
Doch spannend ist weniger, warum so viele Bürger das attraktiv finden. Spannender ist, warum immer mehr Superreiche Gefallen an dieser Idee entdecken.
Was ein Grundeinkommen eigentlich ist
Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein sozialpolitisches Konzept, nach dem jeder Bürger eine feste staatliche Zahlung erhält, ohne Gegenleistung. Es soll unabhängig von Erwerbsarbeit existenzsichernd sein und klassische Sozialtransfers zumindest teilweise ersetzen.
Für Befürworter ist es ein Schutzschirm in einer Welt, in der Automatisierung und künstliche Intelligenz Jobs verdrängen könnten. Für Kritiker ist es ein gigantisches Umverteilungsprojekt mit unklarer Finanzierung.
Und genau hier wird es politisch explosiv.
Tech Milliardäre und die KI Zukunft
Prominentester Unterstützer aus dem Silicon Valley ist Elon Musk. Er und andere Tech Unternehmer argumentieren, dass künstliche Intelligenz eines Tages so produktiv sein könnte, dass sie genug Wohlstand erzeugt, um allen Menschen ein Grundeinkommen zu ermöglichen. Maschinen arbeiten, Algorithmen verdienen Geld, der Staat verteilt es.
Die Logik dahinter ist klar: Wenn KI Millionen Jobs ersetzt, drohen soziale Spannungen. Ein garantiertes Einkommen soll Kaufkraft sichern und gesellschaftliche Stabilität bewahren.
Oder anders gesagt: Wenn Roboter arbeiten, müssen Menschen trotzdem konsumieren.
Hamburg als Testfeld und amerikanisches Geld
Auch in Deutschland wurde diese Debatte politisch. In Hamburg scheiterte am 12. Oktober 2025 der Volksentscheid „Hamburg testet Grundeinkommen“. Abgelehnt. Doch im Hintergrund floss Geld aus den USA.
Die Eutopia Foundation unterstützte die Initiative mit insgesamt 200.000 Euro. Hinter der Stiftung stehen der deutsch amerikanische Unternehmer Albert Wenger und seine Frau Gigi Danziger. Wenger investierte unter anderem in Twitter, Coinbase und Duolingo.
Beim OMR Podcast sagte Wenger sinngemäß, jeder Mensch brauche ein finanzielles Fundament, unter das er nicht fallen könne egal was er tue. Automatisierung und KI würden die Arbeitswelt so stark verändern, dass ein Grundeinkommen nötig werde.
Eine ehrliche Sorge. Aber auch eine, die Fragen aufwirft.
Cui bono Wer profitiert wirklich
Hier beginnt meine Skepsis.
Ein Grundeinkommen muss finanziert werden. Und zwar nicht aus dem Nichts, sondern aus Steuern.
Große Vermögen sind international mobil und lassen sich deutlich leichter optimieren als Arbeitseinkommen. Arbeitnehmer zahlen automatisch. Kapital sucht Schlupflöcher.
Wenn also ein gigantisches Umverteilungsprogramm aufgelegt wird, stellt sich die provokante Frage:
Zahlen am Ende wirklich die Milliardäre oder vor allem die breite arbeitende Mitte?
Hinzu kommt ein zweiter Punkt, über den erstaunlich selten gesprochen wird. Ein Grundeinkommen stabilisiert Kaufkraft. Wer Geld bekommt gibt es aus. Für Miete, Streamingdienste, Lieferdienste, Onlinehandel. Gut für den Konsum. Gut für Plattformkonzerne wie Amazon und Co. Gut für jene, die an digitalen Geschäftsmodellen Milliarden verdienen.
Aus dieser Perspektive wirkt das Grundeinkommen weniger wie ein sozialromantisches Projekt und mehr wie ein Konjunkturprogramm.
Idealismus oder knallharte Ökonomie
Natürlich kann man das auch anders sehen. Viele Befürworter argumentieren ehrlich aus sozialpolitischer Überzeugung. Sie fürchten Massenarbeitslosigkeit durch KI, wachsende Unsicherheit und gesellschaftliche Spaltung.
Doch es wäre naiv zu glauben, dass milliardenschwere Investoren keine ökonomischen Interessen verfolgen, wenn sie politische Großprojekte unterstützen. Niemand steckt Geld in Kampagnen, ohne zumindest eine Vorstellung davon zu haben, wie sich das langfristig auf Märkte, Konsum und Stabilität auswirkt.
Das Grundeinkommen ist deshalb nicht nur eine moralische Frage.
Es ist eine Macht und Finanzierungsfrage.
Fazit
Dass immer mehr Milliardäre über ein bedingungsloses Grundeinkommen sprechen, ist kein Zufall. KI bedroht Jobs, Konsum soll stabil bleiben, gesellschaftliche Spannungen müssen gedämpft werden. All das passt ins Bild.
Die offene Frage lautet jedoch:
Wer finanziert dieses System wirklich und wer profitiert am stärksten davon?
Wie siehst du die Sache? Schreib es in die Kommentare!
