Ich bin nach wie vor ein großer Freund des MSCI World.
Für mich ist er einer der einfachsten Wege, das Risiko breit über viele Unternehmen zu streuen und gleichzeitig an den großen Wachstumsunternehmen jenseits des Atlantiks beteiligt zu sein. Rund 1.300 Unternehmen aus 23 Industrieländern stecken im Index. Wer einen MSCI-World-ETF kauft, muss sich keine Gedanken darüber machen, welches einzelne Unternehmen in zehn Jahren vorne liegt.
Eigentlich genau das, was ich von einem ETF erwarte.
Trotzdem beschäftigt mich inzwischen ein Punkt: Ist der MSCI World noch so breit gestreut, wie er auf den ersten Blick aussieht?
72 Prozent USA
Schaut man unter die Motorhaube, ist der MSCI World vor allem eines: amerikanisch.
Die USA machen inzwischen rund 72 Prozent des Index aus. Danach folgen mit großem Abstand Japan, Großbritannien, Kanada und Frankreich. Deutschland kommt gerade einmal auf gut 2 Prozent.
Das allein stört mich noch nicht besonders.
Ich halte wenig davon, einen Index danach zu beurteilen, ob die Gewichtung auf einer Weltkarte schön ausgewogen aussieht. Wenn die erfolgreichsten und wertvollsten Unternehmen der Welt in den USA sitzen, dann möchte ich als Anleger schließlich an diesen Unternehmen beteiligt sein.
Und genau das war in den vergangenen Jahren ein großer Vorteil.
Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Broadcom, Meta und Tesla haben Anlegern teilweise fantastische Renditen beschert.
Wer den MSCI World gekauft hat, war automatisch dabei.
Das ist keine Schwäche der Marktkapitalisierungsgewichtung. Es ist zunächst einmal ihre Stärke: Die Gewinner bekommen mit steigenden Kursen automatisch ein höheres Gewicht.
Aber irgendwann kann aus einer Stärke auch ein Risiko werden.
Wie breit gestreut sind 1.300 Aktien wirklich?
Auf dem Papier besitze ich mit einem MSCI-World-ETF Anteile an rund 1.300 Unternehmen.
In der Praxis bestimmen einige wenige Giganten einen immer größeren Teil der Entwicklung.
Die größten Positionen kommen fast alle aus den USA und ein erheblicher Teil davon hängt direkt oder indirekt am Technologie- und KI-Boom.
Und genau da werde ich nachdenklich.
Denn was passiert, wenn die Erwartungen an künstliche Intelligenz zu hoch sind?
Was passiert, wenn Nvidia, Microsoft, Apple und die anderen Tech-Giganten plötzlich 30 oder 40 Prozent korrigieren?
Ich sage ausdrücklich nicht, dass das passieren muss. Vielleicht stehen wir bei KI tatsächlich erst am Anfang eines jahrzehntelangen Produktivitätsschubs. Dann könnte es sogar ein Fehler sein, die Gewinner bewusst geringer zu gewichten.
Aber nach den enormen Kurssteigerungen der vergangenen Jahre sollte man sich zumindest fragen:
Wie viel meines ETF-Sparplans möchte ich eigentlich auf einige wenige Mega-Caps setzen?
Das Verrückte am MSCI World
Genau hier steckt für mich ein interessanter Widerspruch.
Ich kaufe einen ETF, weil ich nicht wissen kann, welche Aktie künftig die beste sein wird.
Durch die Gewichtung nach Marktkapitalisierung investiere ich aber besonders viel Geld in genau die Unternehmen, die an der Börse bereits besonders groß geworden sind.
Steigt Nvidia weiter, wächst sein Gewicht.
Steigt Microsoft weiter, wächst sein Gewicht.
Das funktioniert hervorragend, solange die großen Gewinner weiter gewinnen.
Dreht sich der Markt allerdings, treffen deren Kursverluste den Index entsprechend stärker.
Natürlich bleibt der MSCI World trotzdem sehr viel breiter diversifiziert als ein Depot aus fünf oder zehn Tech-Aktien. Das sollte man bei der Diskussion nicht vergessen.
Trotzdem frage ich mich inzwischen, ob ich mit meinem Sparplan einen etwas anderen Weg gehen sollte.
Meine Idee: MSCI World Equal Weighted
Eine Alternative, mit der ich mich gerade beschäftige, ist der MSCI World Equal Weighted.
Das Grundprinzip gefällt mir.
Statt Nvidia, Apple oder Microsoft aufgrund ihrer gigantischen Börsenwerte besonders hoch zu gewichten, erhält jedes Unternehmen zunächst ungefähr das gleiche Gewicht. Durch regelmäßiges Rebalancing wird diese Gleichgewichtung wiederhergestellt.
Damit verändert sich die Struktur erheblich.
Die Mega-Caps dominieren den Index nicht mehr. Kleinere Unternehmen innerhalb des MSCI-World-Universums bekommen automatisch ein deutlich größeres Gewicht. Auch die Dominanz der USA fällt geringer aus.
Vereinfacht gesagt:
Beim normalen MSCI World sage ich:
Je größer ein Unternehmen an der Börse ist, desto mehr investiere ich darin.
Beim Equal Weight sage ich:
Ich weiß nicht, welcher Konzern der Gewinner von morgen sein wird – deshalb verteile ich mein Geld gleichmäßiger, vielleicht auch in stark unterbewertete Unternehmen.
Und dieser Gedanke gefällt mir zunehmend.
Aber Equal Weight ist nicht automatisch besser
Genau hier muss ich mich selbst bremsen.
Denn eine Umschichtung löst nicht einfach das Problem „Risiko“.
Sie verändert das Risiko.
Wenn ich die großen Tech-Konzerne heruntergewichte, gewichte ich automatisch andere Unternehmen stärker. Der Equal-Weight-Ansatz hat einen stärkeren Einfluss von kleineren Unternehmen innerhalb des Index und eine andere Branchenstruktur.
Außerdem muss regelmäßig umgeschichtet werden.
Und vor allem verzichte ich teilweise auf genau den Mechanismus, der den klassischen MSCI World so erfolgreich gemacht hat: Gewinner laufen lassen.
Nehmen wir an, Nvidia wird tatsächlich eines der wichtigsten Unternehmen des KI-Zeitalters und vervielfacht seinen Wert in den kommenden zehn Jahren noch einmal.
Im normalen MSCI World steigt Nvidia automatisch immer weiter auf.
Beim Equal Weight wird regelmäßig ein Teil der stark gestiegenen Position verkauft und in schwächere Aktien umgeschichtet.
Das kann in einer Phase mit breiterer Marktentwicklung hervorragend funktionieren.
In einem Markt, der weiterhin von einigen wenigen Superunternehmen getragen wird, kann es dagegen Rendite kosten.
Deshalb würde ich meinen MSCI World nicht verkaufen
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied.
Ich denke aktuell nicht darüber nach, meinen bestehenden MSCI World komplett zu verkaufen.
Warum auch?
Ich müsste eine bewährte Strategie aufgeben, möglicherweise Steuern auf Gewinne bezahlen und würde letztlich eine aktive Wette darauf eingehen, dass die heutigen Mega-Caps künftig schlechter laufen.
Das weiß ich schlicht nicht.
Meine Überlegung betrifft deshalb vor allem neues Geld.
Ich könnte meinen bisherigen MSCI World einfach liegen lassen und den monatlichen Sparplan künftig auf einen Equal-Weight-ETF umstellen.
Dadurch würde sich die Gewichtung meines gesamten Depots langsam verändern, ohne dass ich bestehende Positionen verkaufen muss.
Diesen Gedanken finde ich momentan ziemlich charmant.
Vielleicht ist das eigentliche Problem aber mein Bauchgefühl
Und ich will auch das nicht verschweigen.
Vielleicht begehe ich gerade einen klassischen Anlegerfehler.
Die großen Tech-Aktien sind extrem gestiegen. Deshalb erscheinen sie mir teuer. Also suche ich nach einer Möglichkeit, ihre Gewichtung zu reduzieren.
Aber teuer gewordene Gewinner zu früh zu verkaufen oder zu untergewichten, war an der Börse schon häufig keine besonders gute Strategie.
Apple erschien vor zehn Jahren schon riesig.
Microsoft ebenfalls.
Und bei Nvidia haben viele Anleger schon vor mehreren hundert Prozent Kursgewinn gesagt: Das kann doch nicht immer so weitergehen.
Deshalb bin ich bei meiner Entscheidung noch nicht durch.
Mein Fazit
Der klassische MSCI World bleibt für mich ein hervorragender Index.
Breit gestreut, einfach, günstig investierbar und mit einem hohen Anteil an den Unternehmen, die das weltweite Wachstum der vergangenen Jahre geprägt haben.
Gerade der hohe USA-Anteil ist für mich nicht automatisch ein Problem. Ich möchte an amerikanischen Wachstumsunternehmen beteiligt sein.
Was mich stört, ist die zunehmende Konzentration auf einige wenige sehr große Unternehmen – insbesondere aus Technologie und KI.
Sollte dort tatsächlich eine Blase entstanden sein und platzen, wird das am MSCI World nicht spurlos vorbeigehen.
Deshalb spiele ich mit dem Gedanken, meinen bestehenden MSCI World zu behalten, aber den Sparplan künftig auf einen MSCI World Equal Weighted umzustellen.
Noch habe ich mich nicht entschieden.
Und genau deshalb interessiert mich diesmal eure Meinung besonders:
Was würdet ihr machen? Den klassischen MSCI World einfach weiter besparen und die Gewinner laufen lassen? Oder findet ihr die Konzentration auf die großen US-Techwerte inzwischen ebenfalls zu hoch und würdet neues Geld eher in einen Equal-Weight-ETF stecken?
Schreibt mir eure Meinung in die Kommentare, gerade bei dieser Entscheidung bin ich wirklich gespannt, wie ihr das seht.
Disclaimer: Dieser Beitrag ist meine persönliche Meinung und keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. ETFs und Aktien unterliegen Kursschwankungen und können Verluste verursachen. Jeder sollte seine Anlageentscheidungen selbst treffen und sich vor einer Investition über Chancen, Risiken und Kosten informieren.

Ich würde keinen equal weighted ETF kaufen. Man beschneidet die Gewinner zu stark.
Außerdem hat der Msci world ja die Möglichkeit auch andere Länder oder Unternehmen höher zu gewichten, wenn diese steigen. Dies passiert ja dann automatisch, ist dann natürlich aber mit Kursverlusten verbunden 😀.
Ich kann dir sonst das Video von Echtgeld TV empfehlen:
https://m.youtube.com/watch?v=eiALmnbCd6U&pp=ygUZRWNodGdlbGQgdHYgZXF1YWwgd2VpZ2h0IA%3D%3D
Christian Röhl und Tobias Kramer zählen da nochmal gut die vor- und Nachteile auf.
Danke, sehr spannend!