Wer verstehen will, warum wirtschaftliche Freiheit kein ideologisches Schlagwort, sondern eine soziale Notwendigkeit ist, kommt am jährlichen Economic Freedom Index der US-amerikanischen Heritage Foundation nicht vorbei. Der Economic Freedom Index 2025 zeigt einmal mehr ein klares, empirisch belegtes Bild und es ist für Deutschland alles andere als schmeichelhaft.
Für das Jahr 2025, das letzte mit vollständiger Datenbasis, liegen die wirtschaftlich freiesten Länder in Singapur, der Schweiz, Irland und Taiwan. Am anderen Ende der Skala finden sich Staaten wie Iran, Sudan oder Venezuela. Der Abstand zwischen diesen Welten ist ein zutiefst menschlicher.
Freiheit entscheidet über Wohlstand, Leben und Chancen
Die Zahlen sind eindeutig und politisch unbequem. In den wirtschaftlich freiesten 25 Prozent der Länder verdienen Menschen im Schnitt 6,2-mal mehr als in den wirtschaftlich unfreisten. Die Armutsquote ist dort rund 25-mal niedriger. Die Lebenserwartung liegt 17 Jahre höher, und die Säuglingssterblichkeit ist fast zehnmal geringer.
Wirtschaftliche Freiheit korreliert zudem positiv mit individueller Freiheit, Lebenszufriedenheit, geringerer Korruption und sogar mit einer saubereren Umwelt. Wer also behauptet, wirtschaftliche Freiheit stehe im Widerspruch zu sozialem Fortschritt, ignoriert nicht Meinungen, sondern Daten.
Wie wirtschaftliche Freiheit gemessen wird
Der Index misst wirtschaftliche Freiheit anhand von fünf zentralen Bereichen:
-
Größe des Staates
-
Rechtssystem und Eigentumsrechte
-
Stabiles Geld
-
Freiheit des internationalen Handels
-
Regulierung
Diese fünf Bereiche bestehen aus insgesamt 45 Einzelkomponenten, die jeweils auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet werden. Doch entscheidend ist nicht der Einzelwert, sondern das Zusammenspiel. Die Autoren vergleichen das System mit einem Auto: Räder, Motor, Getriebe und Rahmen wirken nur gemeinsam. Fehlt eines, kommt das Fahrzeug nicht voran.
Diese Systemlogik erinnert stark an das ordnungspolitische Denken von Walter Eucken, der von der Interdependenz der Ordnungen sprach. Genau diese Interdependenz gerät in Deutschland zunehmend aus dem Gleichgewicht.
Deutschland nur noch Mittelmaß mit Abwärtstrend
Im internationalen Vergleich erreicht Deutschland bei der wirtschaftlichen Freiheit nur noch durchschnittliche Werte. Positiv hervorzuheben bleibt das Rechtssystem und der Schutz der Eigentumsrechte, wo Deutschland Rang 22 von 184 Ländern belegt. Eine unabhängige und weitgehend unparteiische Justiz wirkt hier weiterhin stabilisierend.
Doch selbst dieser Bereich zeigt Risse. Seit 2013 hat sich Deutschlands Bewertung beim Rechtssystem und bei den Eigentumsrechten um 0,5 Punkte verschlechtert. Besonders Immobilieneigentum genießt heute weniger Schutz als noch vor zehn Jahren. Vertrauen in Eigentumssicherheit ist jedoch eine Grundvoraussetzung für Investitionen, Vermögensbildung und sozialen Aufstieg.
In vier von fünf Kategorien hat sich Deutschlands wirtschaftliche Freiheit in den letzten zehn Jahren verschlechtert. Eine Verbesserung gab es lediglich bei der Freiheit des internationalen Handels – und selbst dort nur begrenzt.
Der größte Bremsklotz ist der Staat selbst
Das eigentliche Problemfeld liegt offen zutage: die Größe des Staates. Hier rangiert Deutschland auf Platz 127 von 184 Ländern. Die Staatsquote steigt, private Investitionen werden verdrängt, und steigende Zinsausgaben engen die politischen Handlungsspielräume massiv ein.
Staatsausgaben müssen immer finanziert werden – durch heutige Steuern, künftige Steuern oder Inflation. In allen drei Fällen zahlen Bürger und Unternehmen. Die sogenannten Sondervermögen verschieben Probleme lediglich in die Zukunft und verschlechtern Deutschlands Position in dieser Kategorie voraussichtlich weiter.
Der Staat agiert zunehmend als Konsument, nicht als ordnender Rahmengeber. Genau das widerspricht dem ordnungspolitischen Ideal, das Deutschland einst wirtschaftlich stark gemacht hat.
Fazit
Deutschland verliert an wirtschaftlicher Freiheit – nicht schleichend, sondern strukturell. Der größte Belastungsfaktor ist ein immer weiter wachsender Staat, der Ressourcen bindet, Risiken sozialisiert und Verantwortung verschiebt.
Der Economic Freedom Index 2025 ist kein neoliberales Manifest, sondern ein Warnsignal. Er zeigt, dass kosmetische Maßnahmen und schuldenfinanzierter Sichtschutz nicht ausreichen. Notwendig sind mutige Reformen in allen Bereichen der Wirtschaftspolitik, die an den Ursachen ansetzen statt Symptome zu übertünchen.
Oder anders gesagt: Deutschland braucht weniger ordnungspolitische Beruhigungspillen und wieder mehr den ordnungspolitischen Unkrautstecher, der Fehlanreize beseitigt, Freiheit ermöglicht und Wachstum nicht verwaltet, sondern zulässt.
Schreib Deine Meinung gerne in die Kommentare!

Sehr interessanter Index – werde ich mir näher ansehen.
Aufgrund der komplexen Ursache-Wirkungs-Ursachebeziehungen ist es sehr diffiziel konkrete Lösungen abzuleiten. Aber die deutsche Politik muss sich drastisch ändern, was aber wohl ein frommer Wunsch bleibt. Deutschland ist zu abhängig von anderen Staaten, die (richtigerweise) ihre eigenen Interessen verfolgen und durchsetzen. Deutschland muss sich auf deine Stärken besinnen und endlich Politik im Interesse des Staates, also der Bevölkerung machen. Deutschland wird nur noch fremdgesteuert und spielt bald wirtschaftlich nur noch eine untergeordnete Rolle. Gesundes Mittelmaß ist leider nicht ausreichend. Wir müssen uns wieder auf unsere Stärken besinnen und unabhängig machen. Zudem gilt es starke Bündnisse zu schmieden, welche uns weniger abhängig und angreifbar machen, wirtschaftlich wie auch militärisch. Viele wollen es nicht hören. Aber Russland hat kein Problem mit Deutschland. Die USA haben es nun endlich geschafft einen Keil zwischen beide Länder zu treiben, der teif sitzt. Aber Deutschlands Technologieführerschaft und Russlands Ressourcen würde Wohlstand für beide Länder schaffen und dafür sorgen, dass Europa auch in Zukunft noch wettbewerbsfähig bleibt. Denn mit China, Indien, Russland und USA haben wir Länder, die auf dem politischen Parkett die Musik angeben wollen.
Deutschland muss endlich aufwachen und handeln sonst ist es zu spät.