Ich glaube, wir unterschätzen gerade, was künstliche Intelligenz mit unserer Wirtschaft machen wird.
Wir reden darüber, dass ChatGPT Texte schreibt, Bilder erstellt oder E-Mails zusammenfasst. Spannend ist aber eine ganz andere Frage:
Was passiert, wenn Unternehmen dank KI dieselbe Arbeit mit deutlich weniger Menschen erledigen können?
Dann reden wir nicht mehr über ein neues Computerprogramm. Dann reden wir über eine wirtschaftliche Revolution.
Diesmal trifft es womöglich die Büros
Bei früheren technischen Revolutionen hatten vor allem Arbeiter Angst vor Maschinen. Wer studiert hatte und anschließend im Büro saß, fühlte sich relativ sicher.
Mit KI könnte sich das drehen.
Texte schreiben, Tabellen auswerten, programmieren, übersetzen, recherchieren, Daten analysieren, Präsentationen erstellen – genau darin wird KI immer besser.
Und genau dafür beschäftigen Unternehmen Millionen gut bezahlte Menschen.
Nehmen wir eine Abteilung mit zehn Mitarbeitern. Wenn fünf Mitarbeiter mit KI irgendwann dieselbe Arbeit erledigen können, braucht das Unternehmen keine zehn mehr.
Für das Unternehmen ist das großartig: weniger Kosten, höhere Produktivität, möglicherweise höhere Gewinne.
Für die anderen fünf Mitarbeiter sieht die Sache anders aus.
Was, wenn ausgerechnet Akademiker die Verlierer werden?
Jahrzehntelang lautete das Versprechen:
Mach Abitur. Studier. Such dir einen guten Bürojob. Dann bist du auf der sicheren Seite.
Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Versprechen noch lange gilt.
Vielleicht wird der Elektriker, Handwerker oder Krankenpfleger in 15 Jahren schwerer durch KI zu ersetzen sein als so mancher Sachbearbeiter, Controller oder Mitarbeiter in einer Verwaltung.
Das wäre eine ziemlich gewaltige Verschiebung auf dem Arbeitsmarkt.
Für Unternehmen könnte KI zur Gelddruckmaschine werden
Als Anleger sehe ich natürlich auch die andere Seite.
Wenn ein Unternehmen mit 800 Mitarbeitern irgendwann mehr Umsatz erwirtschaftet als heute mit 1.000, steigt die Produktivität.
Genau darin liegt für mich die wirtschaftliche Sprengkraft von KI.
Weniger Routinearbeit. Weniger Verwaltung. Kleinere Teams. Gleichzeitig kann ein guter Mitarbeiter mithilfe von KI viel mehr leisten.
Und irgendwann stellt sich eine unangenehme Frage:
Was ist in dieser neuen Welt wertvoller – arbeiten oder besitzen?
Deshalb wird Kapitalbesitz noch wichtiger
Wenn immer mehr Wertschöpfung durch Software, Daten, Maschinen und KI entsteht, möchte ich nicht ausschließlich von meinem Arbeitseinkommen abhängig sein.
Ich möchte einen Teil der Unternehmen besitzen, die davon profitieren.
Genau deshalb könnten Aktien in einer KI-Welt für den privaten Vermögensaufbau noch wichtiger werden.
Wer arbeitet, verkauft seine Zeit.
Wer Aktien besitzt, ist zusätzlich an Unternehmensgewinnen beteiligt.
Für mich lautet die Konsequenz deshalb nicht: weniger arbeiten.
Sondern:
Arbeiten. Geld verdienen. Und einen Teil davon konsequent investieren.
Gleichzeitig könnte der Ein-Mann-Unternehmer zum Gewinner werden
KI bedroht aber nicht nur Arbeitsplätze. Sie eröffnet auch enorme Chancen.
Ein einzelner Unternehmer kann heute bereits Aufgaben automatisieren, für die er früher Mitarbeiter für Marketing, Grafik, IT oder Verwaltung gebraucht hätte.
Das könnte noch viel weiter gehen.
Vielleicht sehen wir künftig Firmen mit drei Mitarbeitern, die Leistungen erbringen, für die früher 30 notwendig waren.
Das wäre eine enorme Demokratisierung des Unternehmertums.
Wer Ideen, praktisches Wissen und Unternehmergeist besitzt, bekommt mit KI plötzlich ein ganzes digitales Team an die Seite gestellt.
Und Deutschland?
Hier sehe ich gleichzeitig Chance und Gefahr.
Wir müssen nicht unbedingt das nächste ChatGPT entwickeln.
Deutschland könnte KI dort einsetzen, wo wir traditionell stark sind: Maschinenbau, Industrie, Automobil, Chemie und Produktion.
Intelligente Fabriken, automatisierte Prozesse und KI in der Produktentwicklung könnten gerade angesichts unseres Fachkräftemangels ein riesiger Vorteil sein.
Nur dürfen wir diese Entwicklung nicht zu Tode regulieren.
Während anderswo Milliarden investiert werden, können wir nicht jahrelang darüber diskutieren, welches Formular ein KI-Unternehmen noch ausfüllen muss.
Entweder wir machen bei dieser Revolution mit – oder andere machen das Geschäft.
Und was ist mit der KI-Blase?
Auch als Anleger sollte man trotzdem vorsichtig bleiben.
KI kann die Welt verändern und KI-Aktien können gleichzeitig viel zu teuer sein.
Das Internet war eine Revolution. Trotzdem platzte die Dotcom-Blase.
Vielleicht erleben wir bei KI irgendwann etwas Ähnliches.
Dann können Nvidia & Co. kräftig fallen, ohne dass die KI-Revolution vorbei ist.
Technologie und Aktienkurs sind eben zwei verschiedene Dinge.
Deshalb würde ich nicht mein halbes Depot auf einige wenige KI-Aktien setzen. Mir ist ein breit gestreutes Aktienportfolio lieber.
Mein Fazit
Wir diskutieren KI noch immer zu sehr als technische Spielerei.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob ChatGPT einen guten Text schreiben kann.
Die entscheidende Frage lautet:
Wie viele Menschen braucht ein Unternehmen in zehn Jahren noch, um dieselbe Arbeit zu erledigen?
Wenn die Antwort „deutlich weniger“ lautet, wird das unsere Gesellschaft verändern.
Unternehmen könnten produktiver und profitabler werden. Kleine Unternehmer könnten enorme Möglichkeiten bekommen. Gleichzeitig könnten gerade gut bezahlte Bürojobs unter Druck geraten.
Und Menschen, die Kapital besitzen, könnten stärker profitieren als diejenigen, die ausschließlich ihre Arbeitskraft verkaufen.
Deshalb könnte eine alte Regel in der KI-Welt noch wichtiger werden:
Arbeit schafft Einkommen. Kapital schafft Vermögen.
Wie seht ihr das?
Wird KI uns alle wohlhabender machen – oder vor allem die Mittelschicht unter Druck setzen? Werden wir in zehn Jahren noch genauso viele klassische Bürojobs brauchen wie heute? Und wird es dadurch noch wichtiger, selbst Aktien und damit einen Teil der Unternehmen zu besitzen?
Schreibt mir eure Meinung in die Kommentare.
