Nächstes Wochenende rollt endlich wieder der Ball. Die Bundesliga startet in die neue Saison und für mich als Finanzblogger lohnt sich damit auch ein Blick auf eine Aktie, die es so auf dem deutschen Kurszettel kein zweites Mal gibt: Borussia Dortmund.
Der BVB ist der einzige börsennotierte Bundesligist (WKN 549309).
Und diese Aktie hat eine Geschichte hinter sich, die fast so turbulent ist wie manche Dortmunder Saison.
Beim Börsengang am 31. Oktober 2000 kostete eine BVB-Aktie 11 Euro. Danach ging es zeitweise dramatisch bergab. 2009 notierte das Papier zeitweise unter einem Euro. 2019 waren dagegen wieder Kurse um 9,50 Euro drin. Heute? Gerade einmal etwas mehr als drei Euro.
Wer beim Börsengang gekauft und die Aktie einfach liegen gelassen hat, dürfte also nicht gerade in Jubelstimmung sein.
Dabei ist Borussia Dortmund sportlich und wirtschaftlich eine der bekanntesten Fußballmarken Europas.
Genau das macht die Aktie so interessant und gleichzeitig so schwierig.
Eine Aktie, bei der 90 Minuten über Millionen entscheiden können
Normalerweise beschäftige ich mich bei einer Aktie mit Umsatzwachstum, Margen, Cashflows, Marktanteilen und Wettbewerbsvorteilen.
Beim BVB kommt noch etwas hinzu:
Elf Männer auf dem Fußballplatz.
Ein Pfostenschuss kann hier Millionen kosten.
Wie extrem die Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg ist, zeigte die vergangene Saison. Nach dem Ausscheiden in den Play-offs der Champions League musste Borussia Dortmund seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2025/26 deutlich nach unten korrigieren. Statt eines Ergebnisses zwischen minus fünf und plus fünf Millionen Euro erwartete das Unternehmen anschließend einen Konzernverlust zwischen 12 und 22 Millionen Euro.
Das ist die BVB-Aktie in einem Satz:
Wenn der Ball nicht ins Tor geht, merkt es irgendwann auch der Aktionär.
Sportlich sieht es deutlich besser aus
Immerhin startet Dortmund aus einer wesentlich besseren Position in die neue Saison.
Unter Niko Kovač hat sich die Mannschaft stabilisiert. Die Defensive war zuletzt ein echtes Pfund. Ende April hatte Dortmund nach 31 Spieltagen lediglich 31 Gegentore kassiert und gleichzeitig 65 Treffer erzielt.
Und jetzt wird es interessant.
Dortmund versucht wieder stärker das zu machen, womit der Verein in der Vergangenheit viel Geld verdient hat: junge Spieler entdecken, entwickeln und irgendwann teuer verkaufen.
Sportdirektor Ole Book und die Dortmunder Führung setzen verstärkt auf Talente. Beim Trainingsauftakt standen gleich elf Nachwuchsspieler im Profikader. Neu dabei waren unter anderem Joane Gadou und Justin Lerma. Auch Spieler wie Samuele Inacio sollen näher an die erste Mannschaft herangeführt werden.
Das gefällt mir aus Anlegersicht.
Denn ein 19-jähriges Talent kann beim BVB gleich zweimal Rendite bringen.
Zuerst auf dem Platz.
Später auf dem Transfermarkt.
Dortmund hat mit diesem Geschäftsmodell in der Vergangenheit enorme Werte geschaffen. Spieler entwickeln, Champions League spielen, international sichtbar machen und irgendwann für viel Geld verkaufen – das gehört zur wirtschaftlichen DNA des Vereins.
Champions League bleibt die Gelddruckmaschine
Trotz aller Talente gibt es einen Faktor, der für die BVB-Aktie wichtiger ist als fast alles andere:
Champions League.
Hier fließen Prämien, TV-Gelder, Zuschauereinnahmen und zusätzliche Sponsorenerlöse. Gleichzeitig steigt die internationale Sichtbarkeit.
Die vergangene Saison hat gezeigt, wie schmerzhaft ein frühes Ausscheiden sein kann. Deshalb reicht es aus Anlegersicht nicht, wenn Dortmund am Samstag schönen Fußball spielt.
Der BVB muss dauerhaft in die Champions League.
Und dort möglichst weit kommen.
Das macht die Aktie allerdings auch schwer kalkulierbar. Bei einem normalen Unternehmen kann ich zumindest versuchen abzuschätzen, wie viele Maschinen es im kommenden Jahr verkauft.
Beim Fußball?
Viel Spaß bei der Prognose eines Elfmeterschießens.
Und jetzt zur Aktie: Ein Schnäppchen sehe ich noch nicht
Bei einem Kurs von etwas über drei Euro sieht die Aktie auf den ersten Blick billig aus.
Aber ein niedriger Aktienkurs bedeutet natürlich nicht automatisch eine günstige Aktie.
Ein KGV in der Größenordnung von 55 ist alles andere als günstig. Wobei ich das Kurs-Gewinn-Verhältnis beim BVB ohnehin nur eingeschränkt hilfreich finde. Transfererlöse und der sportliche Erfolg können die Gewinne zwischen einzelnen Geschäftsjahren massiv schwanken lassen.
Auch als klassische Dividendenaktie drängt sich Dortmund nicht auf.
Für das Geschäftsjahr 2024/25 wurden 6 Cent je Aktie ausgeschüttet.
Das ist nett.
Aber wegen sechs Cent Dividende kauft niemand ernsthaft eine Fußballaktie.
2,2 Milliarden Dollar Vereinswert – aber die Aktie dümpelt herum
Einen Punkt finde ich dagegen ausgesprochen spannend.
Forbes bewertete Borussia Dortmund zuletzt mit rund 2,2 Milliarden US-Dollar und damit als zweitwertvollsten deutschen Fußballverein sowie als Nummer 13 weltweit. Borussia Dortmund selbst verweist darauf, dass diese Bewertung erheblich über der Börsenbewertung der KGaA liegt.
Natürlich darf man daraus nicht einfach schließen, die Aktie müsse sich vervielfachen. Der von Forbes geschätzte Vereinswert und die Marktkapitalisierung der börsennotierten Gesellschaft sind nicht eins zu eins vergleichbar.
Trotzdem zeigt die Differenz etwas Interessantes:
Die Marke Borussia Dortmund ist offensichtlich erheblich wertvoller, als der triste Aktienchart vermuten lässt.
Über 80.000 Menschen im Stadion, eine riesige internationale Fangemeinde, Sponsoren, Merchandising, TV-Rechte und eine weltweit bekannte Marke – wirtschaftlich steckt hier einiges drin.
Die entscheidende Frage ist nur, wie viel davon dauerhaft beim Aktionär ankommt.
Fußball ist eben kein normales Geschäft
Und genau hier liegt mein Problem mit der Aktie.
Ein Vorstand eines normalen Unternehmens kann Kosten senken, Preise erhöhen oder eine Fabrik schließen.
Ein Fußballklub kann nicht einfach beschließen:
„Nächstes Jahr erreichen wir garantiert das Champions-League-Viertelfinale.“
Du kannst 50 Millionen Euro für einen Spieler bezahlen und trotzdem nicht wissen, ob er einschlägt.
Du kannst den vermeintlich perfekten Kader zusammenstellen und anschließend drei Leistungsträger verletzt verlieren.
Und du kannst eine hervorragende Saison spielen und trotzdem durch einen einzigen schlechten Abend Millionen an Champions-League-Einnahmen verlieren.
Fußball lebt von Emotionen. Die Börse eigentlich nicht.
Bei der BVB-Aktie treffen beide Welten direkt aufeinander.
Genau deshalb finde ich die Aktie spannend
Würde ich mein halbes Depot in Borussia Dortmund stecken?
Natürlich nicht.
Dafür ist mir das Geschäft viel zu abhängig vom sportlichen Erfolg.
Aber als kleine spekulative Position finde ich die Aktie durchaus interessant.
Der Kurs liegt weit unter früheren Höchstständen. Dortmund ist international eine starke Marke. Die Champions League bietet enorme Erlöspotenziale. Und wenn der Klub tatsächlich wieder erfolgreicher junge Spieler entwickelt, kann daraus zusätzlich erheblicher wirtschaftlicher Wert entstehen.
Dazu kommt etwas, das man bei einer Siemens-, Allianz- oder Microsoft-Aktie nicht bekommt:
Man kann seinem Investment jeden Samstag beim Arbeiten zuschauen.
Ob das für die Geldanlage ein Vorteil ist, sei dahingestellt.
Mein Fazit: Keine Aktie für kühle Rechner
Die BVB-Aktie ist für mich derzeit kein Schnäppchen, bei dem ich blind zugreifen würde.
Das KGV ist hoch, die Dividende überschaubar und die Gewinne sind viel zu stark vom sportlichen Erfolg abhängig.
Aber langweilig ist diese Aktie garantiert nicht.
Wenn Kovač die Mannschaft dauerhaft in der Spitzengruppe etabliert, Dortmund regelmäßig Champions League spielt und aus den jungen Talenten die nächsten wertvollen Stars entstehen, könnte auch an der Börse irgendwann wieder mehr Musik drin sein.
Scheitert die Mannschaft dagegen sportlich, kann aus der schönen Investmentstory sehr schnell Abstiegskampf im Depot werden.
Vielleicht ist die BVB-Aktie deshalb eine der wenigen Aktien, bei denen ich sagen würde:
Man kauft nicht nur Zahlen. Man kauft ein Stück Fußball – inklusive aller Emotionen und Risiken.
Nächstes Wochenende rollt der Ball wieder. Ich werde deshalb nicht nur auf die Tabelle schauen, sondern auch ein bisschen auf den Aktienkurs.
Wie seht ihr das? Würdet ihr euch die BVB-Aktie ins Depot legen oder gehören Fußball und Geldanlage für euch strikt getrennt? Schreibt es mir in die Kommentare.
Das ist meine persönliche Einschätzung und keine Anlageberatung. Die BVB-Aktie kann steigen, aber natürlich auch deutlich fallen. Fußball ist unberechenbar – Aktienkurse manchmal genauso. Bitte informiert euch selbst und trefft eure Anlageentscheidungen eigenverantwortlich.
