Kryptowährungen? Das war lange etwas für Nerds, Zocker und Menschen, die sich auf Partys darüber unterhielten, warum Bitcoin bald eine Million Dollar wert sein wird.
Diese Zeiten sind vorbei.
Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung BearingPoint zeigt, wie weit Kryptowährungen inzwischen in Deutschland angekommen sind: 13 Prozent der Deutschen besitzen bereits Kryptowährungen. Weitere 11 Prozent können sich vorstellen, welche zu kaufen.
Macht zusammen fast jeden Vierten.
Noch interessanter wird es, wenn man auf die jungen Leute schaut. Bei den 18- bis 24-Jährigen besitzen bereits 21 Prozent Kryptowährungen, bei den 25- bis 34-Jährigen sind es sogar 28 Prozent.
Das ist keine kleine Randgruppe mehr.
Die Jungen kaufen Krypto – aber nicht bei ihrer Bank
Fast noch spannender als die Verbreitung von Bitcoin und Co. finde ich, wo die Deutschen ihre Kryptowährungen kaufen.
Bei den bevorzugten Handelsplattformen liegt Trade Republic mit 17 Prozent vorne. Dahinter folgen Binance mit 16 Prozent, Bitpanda mit 11 Prozent und Coinbase mit 10 Prozent. Erst danach kommt mit Bison das Angebot der Börse Stuttgart.
Die klassische Hausbank?
Spielt praktisch keine Rolle.
Und genau das könnte langfristig ein viel größeres Problem für die Banken werden als Bitcoin selbst.
Denn wer mit 25 Jahren sein erstes Depot bei einem Neobroker eröffnet, dort seinen ETF-Sparplan einrichtet und nebenbei Bitcoin kauft, der wird mit 40 vermutlich nicht plötzlich zur Filialbank wechseln.
Die Banken verlieren nicht nur ein Kryptogeschäft. Sie könnten den Zugang zu einer ganzen Generation von Anlegern verlieren.
Bitcoin ist der klare Platzhirsch
Interessant finde ich auch, was die Deutschen tatsächlich kaufen.
Es sind offensichtlich nicht nur irgendwelche dubiosen Coins mit lustigen Hundenamen.
Drei Viertel der deutschen Kryptobesitzer halten Bitcoin.
Danach wird der Abstand schon gewaltig:
Ethereum kommt auf 33 Prozent, Solana auf 23 Prozent und XRP auf 18 Prozent.
Bitcoin hat sich damit innerhalb der Kryptowelt eine Sonderstellung erarbeitet.
Natürlich bleibt Bitcoin hochspekulativ. Kurseinbrüche von 30, 40 oder 50 Prozent gehören hier nicht ins Reich der Theorie. Wer damit nachts nicht schlafen kann, sollte die Finger davon lassen.
Aber Bitcoin im Jahr 2026 immer noch pauschal als digitales Spielgeld abzutun, wird den Fakten ebenfalls nicht mehr gerecht.
Würde ich deshalb jetzt mein halbes Depot in Bitcoin stecken?
Auf keinen Fall.
Für mich bleiben Aktien und breit gestreute ETFs das Fundament des langfristigen Vermögensaufbaus.
Der Unterschied ist wichtig: Hinter einer Aktie steht ein Unternehmen. Es produziert etwas, beschäftigt Menschen, erwirtschaftet hoffentlich Gewinne und kann Dividenden ausschütten.
Bitcoin funktioniert anders.
Es gibt keinen Unternehmensgewinn, keine Dividende und keinen Cashflow, anhand dessen ich einen fairen Wert berechnen könnte. Der Preis hängt letztlich davon ab, was andere Marktteilnehmer bereit sind, dafür zu bezahlen.
Deshalb wäre Bitcoin für mich niemals die Basis einer Altersvorsorge.
Als kleine Beimischung?
Warum nicht.
Wer sein normales Depot aufgebaut hat, einen langen Anlagehorizont besitzt und das Risiko versteht, kann aus meiner Sicht einen kleinen Teil seines Vermögens in Bitcoin investieren.
Man sollte nur wissen, was man tut.
Bitcoin ist für mich die Beilage, nicht das Hauptgericht.
Die eigentliche Revolution findet woanders statt
Was ich aus der BearingPoint-Studie vor allem mitnehme, ist deshalb gar nicht die Frage, ob Bitcoin morgen steigt oder fällt.
Mich interessiert der Wandel des Anlegerverhaltens.
Eine Generation wächst heran, für die es vollkommen normal ist, innerhalb weniger Minuten per Smartphone ein Depot zu eröffnen, einen ETF zu kaufen oder Bitcoin zu handeln.
Sie braucht dafür keinen Bankberater, keinen Termin in der Filiale und keinen 30-seitigen Produktprospekt.
Und das dürfte die Finanzbranche noch massiv verändern.
Besonders bitter für die etablierten Banken: Anleger scheinen durchaus Wert auf Anbieter aus einem vertrauten regulatorischen Umfeld zu legen. Trade Republic aus Deutschland, Bitpanda aus Österreich und Bison aus Deutschland gehören laut Studie zu den beliebtesten Plattformen.
Das Vertrauen ist also offenbar vorhanden. Es landet nur zunehmend bei anderen Unternehmen.
Mein Fazit
Krypto ist in Deutschland noch lange kein Masseninvestment wie Tagesgeld, Immobilien oder klassische Wertpapiere.
Aber ein Nischenphänomen ist es eben auch nicht mehr.
Wenn 13 Prozent bereits investiert sind und weitere 11 Prozent einen Einstieg erwägen, sollten auch die letzten Banken verstanden haben, dass hier gerade etwas passiert.
Für mich persönlich bleibt die Reihenfolge trotzdem klar: erst Aktien und ETFs, dann kann man über Bitcoin nachdenken.
Und wer mit Kryptowährungen anfängt, sollte sich bewusst sein, dass hohe Renditechancen immer mit hohen Risiken erkauft werden.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Studie lautet für mich aber:
Die junge Generation hat Lust auf Kapitalanlage. Sie macht sie nur anders als ihre Eltern.
Und das ist eigentlich eine ziemlich gute Nachricht.
Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Bitcoin oder andere Kryptowährungen im Depot oder bleibt ihr konsequent bei Aktien und ETFs? Schreibt es mir in die Kommentare.

Danke für den Artikel.
Ein ausgewogenes Depot sollte möglichst alle Assetklassen inkludieren. Aktien & ETFs, Grund und Boden, Immobilien, Edelmetalle, Krypto,…
Meine Antwort lautet daher: habe beides – Aktien/ETFs und BTC. Shitcoins kommen mir nicht ins Körbchen 😂
BTC ist mit 4.5% recht hoch gewichtet. Wer das Risiko liebt,…
Habt alle einen schönen Sonntag
danke, bei mir auch 🙂
Bitcoin ist noch kein Masseninvestment und ist doch schon wieder kurz vor tot, wenn die Haltefrist fällt (während in Österreich die Abschaffung der Kapitalertragsteuer für lang gehaltene Aktiendepots diskutiert wird). Deutschland macht einmal mehr alles falsch. Ansonsten stimme ich den Ausführungen des Artikels uneingeschränkt zu.
danke 🙂