Juli 12

Volkswagen in der Krise: Ist das erst der Anfang?

Volkswagen galt jahrzehntelang als das Aushängeschild der deutschen Industrie. Heute kämpft Europas größter Autobauer mit sinkenden Margen, wachsendem Wettbewerbsdruck und einer der größten Umstrukturierungen seiner Geschichte.

Nach Medienberichten könnten im Rahmen der Konzernstrategie „Zielbild 2030“ deutlich mehr Arbeitsplätze wegfallen als bislang angenommen. Im Raum stehen insgesamt bis zu 120.000 Stellen, wobei darin bereits angekündigte Abbauprogramme enthalten sein sollen. Gleichzeitig wird über tiefgreifende Einschnitte bei Standorten und der Modellpalette diskutiert.

Ob diese Zahlen am Ende vollständig umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Fest steht aber: Volkswagen befindet sich mitten in einem historischen Umbau.

VW ist mehr als nur ein Autobauer

Viele unterschätzen, welche Bedeutung Volkswagen für den Wirtschaftsstandort Deutschland hat.

An einem Konzern wie VW hängen nicht nur die eigenen Beschäftigten. Tausende Zulieferer, Logistikunternehmen, Maschinenbauer, Ingenieurbüros und Dienstleister sind direkt oder indirekt vom Erfolg des Konzerns abhängig.

Wenn Volkswagen weniger produziert, trifft das nicht nur Wolfsburg.

Es trifft ganze Regionen.

Deshalb ist jede Werksschließung weit mehr als eine Unternehmensentscheidung. Sie wirkt sich auf die gesamte industrielle Wertschöpfungskette aus.

Der Aktienkurs erzählt seine eigene Geschichte

An der Börse wird Zukunft gehandelt.

Der VW-Aktienkurs zeigt seit Jahren nach unten und notiert heute deutlich unter den Höchstständen früherer Jahre. Das ist kein Zufall.

Im März 2021 kostete die Vorzugsaktie zeitweise mehr als 200 Euro. Heute notiert sie bei gerade einmal 70,98 Euro. Das entspricht einem Kursverlust von rund 65 Prozent innerhalb von gut fünf Jahren.

Der Kapitalmarkt bewertet nicht die Vergangenheit, sondern die zukünftigen Gewinne.

Und genau hier liegen derzeit die Zweifel.

Hohe Kosten, schwache Nachfrage in Europa, harter Wettbewerb aus China, Milliardeninvestitionen in Elektromobilität und Software sowie eine insgesamt schwierige Konjunktur belasten den Konzern erheblich.

Das eigentliche Problem heißt Wettbewerbsfähigkeit

In Deutschland wird häufig über einzelne Werksschließungen diskutiert.

Die wichtigere Frage lautet jedoch:

Warum verliert Deutschland als Industriestandort an Wettbewerbsfähigkeit?

Die Unternehmen kämpfen gleichzeitig mit:

  • hohen Energiekosten,
  • steigender Bürokratie,
  • langen Genehmigungsverfahren,
  • hohen Arbeitskosten,
  • zunehmender Regulierung
  • und einer schwachen Konjunktur.

Hinzu kommt die Transformation zur Elektromobilität.

Während chinesische Hersteller wie BYD oder Geely mit hoher Geschwindigkeit Marktanteile gewinnen, müssen deutsche Hersteller gleichzeitig Milliarden investieren und ihre bisherigen Geschäftsmodelle umbauen.

Das kostet Zeit und Geld.

Sparen statt sterben

Viele empören sich über Stellenabbau.

Aus Sicht eines Unternehmens ist er jedoch manchmal unvermeidbar.

Wenn einzelne Werke dauerhaft Verluste schreiben oder Produktionskapazitäten nicht ausgelastet sind, bleibt dem Management oft nur die Wahl zwischen einer schmerzhaften Sanierung oder einer noch größeren Krise später.

Das ist hart.

Vor allem für die betroffenen Mitarbeiter.

Aber betriebswirtschaftlich kann eine Verkleinerung notwendig sein, um den Konzern insgesamt wieder profitabel zu machen.

Ist die VW-Aktie jetzt ein Schnäppchen?

Viele Anleger stellen sich genau diese Frage.

Der Kurs ist massiv gefallen. Doch ein niedriger Aktienkurs allein macht noch kein gutes Investment.

Entscheidend ist, ob Volkswagen wieder nachhaltig wachsen und attraktive Gewinne erwirtschaften kann. Solange die strukturellen Probleme nicht gelöst sind, dürfte die Aktie volatil bleiben. Langfristig könnte Volkswagen wieder interessant werden.

Aber dafür muss der Konzern zunächst beweisen, dass der Umbau gelingt.

Mein Fazit

Volkswagen steht stellvertretend für die Herausforderungen des Industriestandorts Deutschland. Es geht längst nicht mehr nur um einen Autobauer. Es geht um die Frage, ob Deutschland seine industrielle Stärke in den kommenden Jahrzehnten behaupten kann. Als Anleger würde ich derzeit genau beobachten, wie sich Gewinne, Margen und Wettbewerbsfähigkeit entwickeln.

Denn eines ist sicher:

Nicht jede gefallene Aktie ist automatisch günstig.

Und manchmal ist ein niedriger Kurs kein Schnäppchen, sondern eine Warnung des Marktes.

Würdest Du in VW investieren? Schreib es in die Kommentare! 


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