Juni 28

Deutschland wird reicher – aber die Deutschen lassen ihr Geld liegen

Die Deutschen gelten als Sparweltmeister. Doch ausgerechnet beim Vermögensaufbau spielen wir oft in der zweiten Liga.

Der neue BCG Global Wealth Report 2026 liefert dazu spannende Zahlen: Das Nettovermögen der Deutschen ist 2025 kräftig gestiegen – von 20,3 auf 23,3 Billionen US-Dollar. Allein das Finanzvermögen legte um 17,7 Prozent auf 12,4 Billionen US-Dollar zu. Haupttreiber waren steigende Aktienkurse, Investmentfonds und die Erholung an den Anleihemärkten.

Das zeigt einmal mehr: Die Börse bleibt langfristig die stärkste Vermögensmaschine.

Trotzdem investieren viele Deutsche noch immer lieber in Tagesgeld, Sparbuch oder das Eigenheim als in Produktivkapital. Mehr als die Hälfte des Vermögens steckt weiterhin in Immobilien und anderen Sachwerten. Bargeld und Bankeinlagen spielen ebenfalls eine überdurchschnittlich große Rolle.

Das ist aus meiner Sicht ein Problem.

Denn während Aktien und Fonds 2025 um 24 Prozent zulegten, brachten klassische Spareinlagen kaum Erträge. Wer sein Geld aus Angst vor Kursschwankungen dauerhaft auf dem Konto liegen lässt, verzichtet langfristig auf enorme Vermögenschancen.

Besonders bemerkenswert ist ein anderer Aspekt der Studie: Deutschland wird zwar reicher, wächst aber langsamer als viele andere Industrieländer. Die Experten nennen dafür mehrere Gründe: eine alternde Bevölkerung, schwaches Produktivitätswachstum, hohe Regulierung und vor allem eine nach wie vor schwach ausgeprägte Aktien- und Kapitalmarktkultur.

Genau hier liegt der Kern des Problems.

In Ländern wie den USA gehört der Aktienmarkt selbstverständlich zur privaten Altersvorsorge. Millionen Bürger profitieren direkt vom wirtschaftlichen Erfolg ihrer Unternehmen. In Deutschland dagegen wird über Aktien häufig noch gesprochen, als seien sie reine Spekulation.

Die Realität sieht anders aus. Wer breit gestreut in ETFs investiert und langfristig denkt, hat historisch deutlich höhere Renditen erzielt als mit klassischen Sparformen. Das erklärt auch, warum die Finanzvermögen 2025 so stark gewachsen sind.

Interessant ist außerdem die Entwicklung bei den Vermögenden. In Deutschland gibt es inzwischen rund 5.000 Menschen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar – rund 1.100 mehr als im Jahr 2024. Gleichzeitig besitzen etwa 66 Millionen Deutsche weniger als 250.000 US-Dollar Finanzvermögen.

Kritiker sehen darin vor allem eine wachsende Ungleichheit. Das greift jedoch zu kurz.

Der eigentliche Unterschied liegt häufig nicht darin, ob Vermögen vorhanden ist, sondern wie es investiert wird. Wer große Vermögen besitzt, investiert stärker in Aktien, Private Equity und andere renditestarke Anlageklassen. Dadurch wächst sein Vermögen schneller. Das ist kein Naturgesetz zugunsten der Reichen, sondern der Zinseszinseffekt kombiniert mit einer höheren Aktienquote.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Warum werden Reiche reicher?

Sondern: Warum investieren so viele Deutsche noch immer so vorsichtig?

Die gute Nachricht lautet: Das ändert sich langsam. ETFs und Aktien gewinnen hierzulande Jahr für Jahr an Bedeutung. Gerade jüngere Anleger entdecken den Kapitalmarkt als Baustein ihrer Altersvorsorge.

Was meinst Du: Ist Deutschland ein reiches Land? Schreib es in die Kommentare! 


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