Es gibt Bücher, die liest man und denkt: Endlich sagt es mal einer klar. „Zero Sum Mindset“ von Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist so ein Buch.
Zitelmann nimmt sich einen Denkfehler vor, der in Deutschland fast jede Debatte über Geld vergiftet: den Glauben, dass Reiche nur reich sind, weil andere arm sind. Dieses Nullsummendenken klingt zunächst logisch, ist aber ökonomisch falsch.
Wohlstand entsteht nicht durch Wegnehmen. Wohlstand entsteht durch Ideen, Mut, Kapital, Risiko und Unternehmertum. Wer Aldi aufgebaut hat, hat Millionen Menschen günstigere Lebensmittel ermöglicht. Wer WhatsApp erfunden hat, hat Kommunikation weltweit billiger und einfacher gemacht. Das ist kein Raubzug. Das ist Wertschöpfung.
Genau hier wird Zitelmann stark. Er zeigt, dass Märkte keine Schlachtfelder sein müssen, auf denen einer verliert, damit der andere gewinnt. Freiwilliger Handel ist oft das Gegenteil: Beide Seiten profitieren. Der Kunde bekommt ein Produkt, das ihm nützt. Der Unternehmer verdient Geld. Das ist keine Ausbeutung, sondern der Kern von Fortschritt.
Besonders spannend ist der Blick auf die großen Zahlen: Weltweit ist extreme Armut in den vergangenen Jahrzehnten massiv gesunken, während gleichzeitig die Zahl der Milliardäre gestiegen ist. Wäre Reichtum wirklich nur Diebstahl an den Armen, dürfte das nicht passieren.
Als Finanzblogger gefällt mir an diesem Buch besonders, dass es nicht um Neid geht, sondern um Ursachen. Deutschland diskutiert ständig darüber, wie Vermögen verteilt werden soll. Aber viel zu selten fragen wir: Wer schafft dieses Vermögen eigentlich?
Ohne Gründer, Investoren, Unternehmer und Menschen, die Risiken eingehen, gibt es keinen Wohlstand zu verteilen. Dann bleibt nur ein kleiner Kuchen, um den alle kämpfen. Zitelmann erinnert daran: Der Kuchen muss größer werden.
Das Buch ist deshalb auch eine klare Absage an die politische Umverteilungsromantik. Höhere Steuern, mehr Staat, mehr Regulierung – das klingt für viele nach Gerechtigkeit. In Wahrheit kann es Wachstum abwürgen, Kapital vertreiben und Chancen zerstören.
Natürlich wird „Zero Mindset“ provozieren. Gerade in einem Land, in dem Erfolg schnell verdächtig wirkt und Vermögen oft moralisch erklärt wird. Aber genau deshalb ist das Buch wichtig.
Zitelmann schreibt gegen einen Zeitgeist an, der Unternehmer gerne als Problem darstellt, obwohl sie oft Teil der Lösung sind. Er verteidigt nicht jeden Reichen und nicht jeden Marktakteur. Aber er zeigt: Eine Gesellschaft, die Reichtum pauschal bekämpft, wird am Ende nicht gerechter. Sie wird ärmer.
Mein Fazit:
„Zero Sum Mindset“ ist ein starkes, unbequemes und notwendiges Buch. Es ist eine Kampfansage an Neid, Nullsummendenken und ökonomische Denkfaulheit.
Wer verstehen will, warum Wohlstand nicht einfach verteilt, sondern zuerst geschaffen werden muss, sollte dieses Buch lesen.
ZERO SUM MINDSET
Die Nullsummen-Falle – Warum wir mehr gewinnen, wenn wir anders denken.
18 Euro
180 Seiten
Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag

Endlich mal ein Artikel, dem ich uneingeschränkt zustimmen kann. Er kommt zur richtigen Zeit.
Danke.
Moralweltmeister Deutschland trifft auf das Nullsummendenken und das Chaos ist perfekt. Wer reich ist kann doch nicht auch noch anständig sein. Das wäre zu viel des Guten. Also sind alle Reichen böse. Alles muss fair verteilt sein. Als wäre man Teilnehmer in einem Videospiel, wo man Attribute vergeben kann: Ist der Angriff hoch, so muss die Verteidigung niedrig sein und umgekehrt. Beide Attribute auf Maximum ist nicht möglich.
Dass der Kuchen wächst, Reiche zwar reicher werden aber auch Arme davon profitieren, ist für viele Leute völlig unverständlich. Ich bin wirklich überfragt woher diese festgefahrene Denkweise kommmt und wie man diese wieder los wird. Die Leute sehen die Probleme aber ziehen als Lösung die völlig falsche Schlussfolgerung. Anstatt die Armut abzuschaffen versucht man den Reichtum abzuschaffen.
Leute mit (ein wenig) Ahnung werden dieses Buch lesen und die Leute mit einem finanziell eingeschränktem Weltbild werden wie üblich einen großen Bogen darum machen. Bloß nicht über den Tellerrand schauen, bloß nicht das eigene Weltbild erweitern.
Wenn der Reichtum wirklich durch die eigene Innovationskraft und unternehmerisches Handeln entsteht habe ich ja so gar nichts dagegen und stehe hinter Deinem Beitrag. Das Problem ist nur, dass echter Reichtum in Deutschland vorrangig vererbt bzw. ererbt wurde.
Und da darf m.E. der Staat bzw. die Allgemeinheit ruhig mal bei jedem Übergang zu einer neuen Generation einen gewissen Betrag abschöpfen.
Ich kann auch verstehen, dass man z.B. der Familie Klatten als Ankeraktionären bei BMW keine Aktien wegnehmen will. Darum geht es mir auch gar nicht.
Aber wenn Frau Klatten einen Teil Ihrer Aktien auf Ihre Kinder überträgt, wäre es nur richtig, wenn die Kinder darauf Ihre Erbschaftssteuer zahlen müssen. Genau so wie auch jeder Normalbürger ab gewissen Freibeträgen seine Erbschaftssteuer zu zahlen hat. Und wenn die Kinder die fällige Erbschaftssteuer nicht sofort zahlen können, könnte man den fälligen Betrag doch auch über einen 20 jährigen Zeitraum abstottern. Sollte machbar sein.