Es gibt sie noch. Diese kleinen Lichtblicke in Zeiten steigender Preise.
Jedes Wochenende landen die Werbeprospekte der Supermärkte in meinem Briefkasten. Und fast immer springt mir dieselbe Anzeige ins Auge: Kiste Bier im Angebot.
Gerade im Sommer ist das eine gute Nachricht.
Denn während Butter, Fleisch, Restaurantbesuche oder der Friseur in den vergangenen Jahren immer teurer geworden sind, scheint die Inflation ausgerechnet beim Bier erstaunlich wenig auszurichten.
Eine Kiste Warsteiner gibt es im Angebot noch immer regelmäßig für 9,99 Euro. Das war vor 15 Jahren schon ein guter Preis. Zugegeben: Ich bin kein Warsteiner-Trinker. Mein Favorit ist das Rothaus Tannenzäpfle. Aber auch das gibt es immer wieder für 13,99 Euro im Samstagskracher bei Netto.
Für Biertrinker sind das fast schon goldene Zeiten.
Eigentlich müsste Bier längst deutlich teurer sein.
Energie kostet mehr, Glasflaschen sind teurer geworden, Kronkorken, Etiketten, Malz, Hopfen, Transport und Personal ebenfalls. Gleichzeitig lag die Inflationsrate zuletzt bei 2,6 Prozent.
Warum also bleibt ausgerechnet Bier so günstig?
Die Antwort ist simpel.
Weil die Brauereien höhere Preise kaum noch durchsetzen können.
Der Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel ist gnadenlos. Aldi, Lidl, Netto, Rewe oder Edeka locken jede Woche mit einer Kiste Bier zum Kampfpreis. Bier ist längst ein Lockartikel geworden.
Hinzu kommt ein zweites Problem.
Die Deutschen trinken immer weniger Bier.
Laut Statistischem Bundesamt sank der Bierabsatz 2025 um rund sechs Prozent auf nur noch 7,8 Milliarden Liter (pro Kopf 88 bis 89 Litern). Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik im Jahr 1993.
Der Trend ist eindeutig.
Gerade jüngere Menschen trinken deutlich weniger Alkohol oder verzichten ganz darauf.
Das setzt die gesamte Branche unter Druck.
Selbst große Brauereien bekommen das zu spüren.
Veltins konnte seinen Getränkeabsatz im ersten Halbjahr 2026 nur deshalb steigern, weil der Konzern die Marke Karamalz übernommen hat. Das eigentliche Veltins Pils verlor dagegen rund 4,3 Prozent Absatz.
Noch schwieriger ist die Lage bei kleineren Brauereien.
Die traditionsreiche Eichbaum-Brauerei aus Mannheim musste Insolvenz anmelden.
Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes haben seit Ende 2019 bereits 100 Brauereien ihren Betrieb eingestellt.
Das zeigt:
Der günstige Bierpreis ist für Verbraucher eine gute Nachricht – für viele Brauereien dagegen ein ernstes Problem.
Denn während die Kosten steigen, schrumpft gleichzeitig der Absatz.
Als Konsument freue ich mich natürlich über günstiges Bier.
Als Finanzblogger sehe ich darin aber vor allem ein Lehrstück der Marktwirtschaft.
Preise entstehen eben nicht nur durch steigende Kosten. Entscheidend ist immer auch, ob Kunden bereit sind, höhere Preise zu bezahlen.
Und genau daran scheitern derzeit viele Brauereien.
Sind Brauerei-Aktien jetzt ein gutes Investment?
Natürlich stellt sich da sofort die nächste Frage:
Sollte man vielleicht lieber in Brauereien investieren, statt nur ihr Bier zu trinken?
Ganz ehrlich:
Ich wäre vorsichtig.
Der Biermarkt in Deutschland schrumpft seit Jahren. Gleichzeitig steigen die Kosten kontinuierlich. Für viele regionale Brauereien ist das eine gefährliche Kombination.
Ganz anders sieht es bei internationalen Konzernen aus.
Der weltgrößte Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev besitzt Marken wie Budweiser, Corona, Beck’s oder Stella Artois und verdient sein Geld auf der ganzen Welt. Solche Unternehmen sind deutlich breiter aufgestellt als viele deutsche Regionalbrauereien und weniger abhängig vom deutschen Biermarkt.
Und dann gibt es noch die vielleicht sympathischste Form der Dividende überhaupt.
Einige kleinere Brauereien zahlen ihre Aktionäre tatsächlich in Bier aus.
Bei der WalderBräu AG aus Oberschwaben war die Bürgeraktie einst sogar die Rettung der Brauerei. Als die Schließung drohte, übernahmen Bürger das Unternehmen und führten es als Aktiengesellschaft weiter. Wer Aktien zeichnet, erhält regelmäßig Bier als Dividende.
Auch bei der Einbecker Brauhaus AG lohnt sich der Blick ins Depot. Wer mindestens eine Aktie besitzt und an der Hauptversammlung teilnimmt, bekommt traditionell ein Sixpack Einbecker.
Mal ehrlich:
Eine Dividende, die man trinken kann, hat schon ihren Charme ;-).
Mein Fazit
Ich werde auch künftig jeden Freitag einen Blick in die Angebotszettel werfen.
Denn warum sollte ich 18 oder 20 Euro für eine Kiste Bier bezahlen, wenn sie wenige Tage später wieder für 9,99 oder 13,99 Euro im Regal steht?
Die Inflation macht beim Bier derzeit erstaunlicherweise Pause.
Nicht weil das Brauen billiger geworden wäre.
Sondern weil sich höhere Preise am Markt schlicht nicht durchsetzen lassen.
Für uns Biertrinker ist das eine erfreuliche Entwicklung.
Für viele Brauereien leider nicht.
Jetzt interessiert mich deine Meinung: Kaufst du Bier grundsätzlich nur im Angebot oder ist dir der Preis egal?

Liter Bier 1 Euro.
Liter Benzin 2.20 Euro.
Mehr Bier trinken, weniger Auto fahren.
Gute Idee 🙂