Juli 5

Ein Armutszeugnis für Deutschland: Nur Platz 30 beim Median-Vermögen

Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Unsere Unternehmen gehören zu den erfolgreichsten der Erde, wir exportieren Hightech, Maschinen und Autos in alle Kontinente.

Doch beim Vermögen des Durchschnittsbürgers sieht die Realität ernüchternd aus.

Deutschland landet beim Medianvermögen pro Erwachsenen lediglich auf Platz 30.

Zur Einordnung: Das Medianvermögen teilt die Bevölkerung exakt in zwei Hälften. 50 Prozent der Menschen besitzen weniger Vermögen, die anderen 50 Prozent mehr. Deshalb ist dieser Wert wesentlich aussagekräftiger als das Durchschnittsvermögen, das durch einige wenige Milliardäre stark nach oben verzerrt werden kann. Das Medianvermögen zeigt also, wie wohlhabend der „Normalbürger“ tatsächlich ist.

Die Rangliste

Rang Land Medianvermögen pro Erwachsenen
1 Luxemburg 394.005 €
2 Belgien 277.166 €
3 Australien 210.783 €
4 Neuseeland 206.617 €
5 Dänemark 203.771 €
6 Hongkong 187.968 €
7 Kanada 147.811 €
8 Schweiz 145.555 €
9 Norwegen 140.003 €
10 Japan 135.745 €
11 Italien 131.001 €
12 Niederlande 127.407 €
13 Vereinigtes Königreich 125.335 €
14 Frankreich 121.898 €
15 Malta 114.033 €
16 Taiwan 113.137 €
17 Spanien 111.575 €
18 Südkorea 101.739 €
19 Irland 98.413 €
20 Singapur 96.434 €
21 Katar 95.499 €
22 Finnland 89.695 €
23 Schweden 84.039 €
24 Israel 83.843 €
25 Slowenien 81.366 €
26 Portugal 76.978 €
27 Österreich 71.378 €
28 USA 68.998 €
29 Griechenland 59.162 €
30 Deutschland 53.485 €

Quelle: UBS Global Wealth Report.

Deutschland arbeitet viel – besitzt aber zu wenig Kapital

Diese Zahlen sollten jedem Politiker zu denken geben.

Wir reden in Deutschland ständig über Löhne, Renten und Steuern. Viel zu selten reden wir über das eigentliche Problem: Vermögensaufbau.

Denn Wohlstand entsteht nicht nur durch Arbeit.

Wohlstand entsteht vor allem durch Kapital- und Immobilienbesitz.

Wer Unternehmen besitzt, Aktien hält oder regelmäßig in ETFs investiert, profitiert vom Wachstum der Weltwirtschaft. Wer sein Geld dagegen dauerhaft auf dem Girokonto oder Sparbuch liegen lässt, verliert Kaufkraft und verzichtet auf den mächtigsten Vermögensmotor überhaupt: den Zinseszinseffekt.

Genau hier liegt Deutschlands Schwäche.

Die Deutschen gehören zwar zu den fleißigsten Sparern Europas, investieren ihr Geld aber im internationalen Vergleich noch immer viel zu defensiv. Bargeld, Tagesgeld und Festgeld genießen hierzulande einen Stellenwert, den man in vielen anderen Ländern kaum nachvollziehen kann. Dazu kommt, dass es in Deutschland wenig Eigenheimbesitzer gibt.

Dabei zeigen aktuelle Zahlen des BCG Global Wealth Report 2026, wohin die Reise geht. Das Finanzvermögen der Deutschen ist 2025 um 17,7 Prozent gestiegen. Besonders stark entwickelten sich Aktien und Investmentfonds, die um 24 Prozent zulegten. Das zeigt einmal mehr: Kapitalmärkte sind langfristig der wichtigste Motor für Vermögensaufbau.

Der Unterschied heißt Aktienkultur

Schauen wir in die USA.

Dort gehört der Kapitalmarkt für Millionen Menschen selbstverständlich zur Altersvorsorge. Beschäftigte investieren über ihre 401(k)-Pläne, Unternehmen beteiligen ihre Mitarbeiter mit Aktien und viele Familien bauen seit Jahrzehnten Vermögen über den Aktienmarkt auf.

In Deutschland dagegen gelten Aktien für viele immer noch als Spekulation.

Dabei ist das Gegenteil richtig.

Wer breit gestreut über ETFs investiert und Jahrzehnte Zeit mitbringt, beteiligt sich an den erfolgreichsten Unternehmen der Welt. Genau dadurch entstehen Vermögen.

Deutschland muss endlich umdenken

Natürlich spielen auch Immobilien eine wichtige Rolle beim Vermögensaufbau. Aber sie allein reichen nicht aus.

Wer ausschließlich auf das Eigenheim setzt und daneben kaum Produktivkapital besitzt, wird langfristig kaum mit Ländern mithalten können, in denen Aktienbesitz selbstverständlich ist.

Hinzu kommt: Die gesetzliche Rente steht aufgrund der alternden Bevölkerung unter Druck. Umso wichtiger wird der private Vermögensaufbau.

Die gute Nachricht lautet: Noch nie war Investieren so einfach wie heute. Ein ETF-Sparplan lässt sich bereits ab 25 oder 50 Euro im Monat einrichten. Die Kosten sind niedrig, die Auswahl riesig und der Vermögensaufbau lässt sich vollständig automatisieren.

Mein Fazit

Platz 30 ist kein Grund zum Stolz.

Deutschland ist wirtschaftlich ein Schwergewicht – beim Vermögen des Durchschnittsbürgers aber nur Mittelmaß.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass wir zu wenig sparen.

Wir investieren zu wenig.

Wenn Deutschland beim privaten Wohlstand wieder aufholen will, brauchen wir endlich eine echte Kapitalmarktkultur. Mehr Finanzbildung in den Schulen. Mehr Aktionäre. Mehr ETF-Sparer. Weniger Angst vor Schwankungen.

Denn am Ende gilt ein einfacher Satz:

Arbeit schafft Einkommen. Kapital schafft Vermögen.

Und genau deshalb ist jetzt die Zeit für Kapital.


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  • Die ersten 5 Plätze oder mehr hätte ich so auch nicht erwartet. Gibt es da eine Erklärung dafür?
    Und die USA hätte ich auch nicht so weit hinten erwartet.
    Die Erklärungen wären sehr interessant.

    Grüße
    Paul

    • Man muss hier das Median-Vermögen vom Durchschnittsvermögen unterscheiden. Da gibt es teilweise große Unterschiede – gerade die USA und Deutschland sind gute Beispiele dafür!

      Bedeutet natürlich nichts anderes ein ein hoher Gini-Koeffizient.

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