Januar 18

Zehn Billionen Euro Vermögen – und ein Großteil liegt einfach herum

Nach vorläufigen Berechnungen von DZ BANK Research ist das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland Ende 2025 um 6,3 Prozent auf rund zehn Billionen Euro gestiegen. Eine beeindruckende Zahl. Und gleichzeitig eine ernüchternde.

Denn von diesen zehn Billionen Euro liegen 3,6 Billionen Euro praktisch leblos herum: in Bargeld, auf Girokonten, Tagesgeldern oder Sparbüchern. Geld, das nichts erwirtschaftet, real an Kaufkraft verliert und vor sich hinschlummert. Zum Vergleich: Diese Summe ist fast doppelt so hoch wie die gesamte Marktkapitalisierung des DAX 40.

Deutschland ist reich. Aber es nutzt seinen Reichtum schlecht.

Sparen können wir – investieren offenbar nicht

Das Geldvermögen ist nicht deshalb gestiegen, weil die Deutschen plötzlich zu Spekulanten geworden sind. Im Gegenteil. Der Zuwachs resultiert erneut vor allem aus einer hohen Ersparnis. Auf Basis der ersten drei Quartale schätzt DZ BANK Research die Sparquote für 2025 auf 10,4 Prozent. Das ist im internationalen Vergleich ordentlich.

Das Problem liegt nicht im Sparen.
Das Problem liegt im Nichtstun danach.

Nur rund 2,5 Billionen Euro sind in Aktien, Fonds oder ETFs investiert. Eine ähnliche Summe steckt in Versicherungsprodukten, etwa klassischen Lebensversicherungen, die in Zeiten niedriger Realrenditen kaum noch Vermögensaufbau leisten. Der Großteil des Geldes bleibt damit entweder chancenlos oder ineffizient gebunden.

Verpasste Chancen sind der wahre Vermögensverlust

Während Milliarden auf Konten entwertet werden, haben die Kapitalmärkte über Jahre hinweg historische Chancen geboten. Wer diese ignoriert hat, hat kein Risiko vermieden – sondern Rendite verschenkt.

Ein simples Beispiel zeigt, was möglich gewesen wäre:
Wer über 20 Jahre hinweg monatlich einen festen Betrag in einen ETF auf den MSCI World investiert hat, erzielte bis Dezember 2024 eine durchschnittliche jährliche Rendite von über acht Prozent. Das ist keine Theorie, kein Verkaufsprospekt, sondern historische Realität, belegt durch das bekannte Renditedreieck.

Acht Prozent pro Jahr bedeuten nicht kurzfristigen Reichtum. Sie bedeuten etwas viel Wichtigeres: Vermögensaufbau über Zeit. Zinseszinseffekte, die leise wirken, aber langfristig enorm sind.

Sicherheitsdenken mit hohem Preis

Das deutsche Sicherheitsbedürfnis ist tief verankert. Doch Sicherheit auf dem Konto ist eine Illusion, wenn Inflation Kaufkraft frisst. Wer über Jahre hinweg ausschließlich spart, ohne zu investieren, geht ein stilles Risiko ein: das Risiko, dass das Ersparte real weniger wert wird.

Dabei geht es nicht um All-in-Mentalität oder Börsenzockerei. Es geht um eine strukturierte, langfristige Beteiligung am Kapitalmarkt. Breite ETFs, regelmäßige Sparpläne, Zeit statt Timing. Keine Raketenwissenschaft, sondern finanzielle Grundbildung.

Fazit

Deutschland spart viel, aber investiert zu wenig. Zehn Billionen Euro Geldvermögen sind ein Ausdruck von Disziplin und Fleiß. Dass 3,6 Billionen Euro davon praktisch ungenutzt bleiben, ist Ausdruck von Angst und Gewohnheit.

Unsere Sparquote ist nicht das Problem.
Unser Zögern ist es.

Wer Vermögen aufbauen will, muss sparen und investieren. Der Kapitalmarkt ist kein Kasino, sondern über lange Zeiträume der produktivste Ort für Vermögensbildung. Die historischen Chancen liegen offen auf dem Tisch. Es wäre Zeit, sie nicht länger liegen zu lassen.

Wie siehst Du die Sache? Schreib es in die Kommentare! 


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  • Meine Nachbarin sagt: „Das Geld muss auf der Bank liegen, das muss kein Geld verdienen“.
    Sie hat vor kurzem geerbt. Das Erbe ist quasi unmittelbar in ein neues Auto geflossen.
    Wie willst Du so ein Mindset knacken?

    Ich gebe aber zu Bedenken, dass der mögliche Effekt folgender sein könnte, wenn alle Dt. ihr Geld bspw. in den DAX investieren:
    – Der DAX wäre doppelt so hoch bewertet.
    – Die Firmen wären dadurch substanziell nicht besser.

    Im Prinzip wäre alles ein Nullsummenspiel.
    Weltweit aus der Sicht Deutschlands gesehen mag das anders aussehen, aber wiederum auch nicht, wenn alle Bewohner der Erde investieren würden. Da hätten wir auch wieder ein Nullsummenspiel.

    Also lassen wir das Investieren lieber ein Spielchen einer Minderheit bleiben und freuen wir uns, dass wir dabei sind.

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